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"Dr. Georg Heberlein"

 

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Biographisches zu Dr. Georg Heberlein

Dr. Georg Heberlein wurde am 14. Dezember 1902 als ältestes Kind von Georges Heberlein und Clara Stähelin in Wattwil geboren. Bald darauf folgten seine beiden Schwestern Beatrix und Lotte, mit denen er eine fröhliche Jugend- und Schulzeit verbrachte. Die drei Kinder gehörten bereits der vierten Generation dieser bekannten Toggenburger Industriellen-Familie an. Sie geht auf den deutschen Handwerksburschen Georg Philipp Heberlein zurück, der 1835 nach der Heirat mit der Tochter eines Fabrikanten aus altem Wattwiler Geschlecht die Färberei gegründet hatte.

Schon die vorherige Heberlein-Generation war von der rein handwerklichen auf die wissenschaftliche Berufsgrundlage umgestiegen. Auch Georg ergriff wie sein Vater und mit ihm seine Vettern Rudolf und Eduard nach der Maturität das Studium der Chemie. Bei Karrer, dem Nobelpreisträger, promovierte er in Zürich mit einer Dissertation "Über Veresterungsvorgänge bei Baumwolle" zum Dr. phil. II. Natürlich mussten die drei jungen Heberlein-Vettern auch das Handwerkliche kennenlernen; sie wurden Arbeitern übergeben, die ihnen das, was der Bleicher, Färber und Drucker zu werken hatten, praktisch beibrachten. In das akademische Jahr 1929/30 fiel neben der Promotion auch ein längerer USA-Aufenthalt, wo sich Georg Heberlein in verschiedenen Betrieben weiterbildete.

1930 trat er in den Familenbetrieb ein, nachdem ihn sein Vater überzeugt hatte, von einer rein militärischen Laufbahn abzusehen, und ihm gleichzeitig die Absolvierung von soviel Militärdienst zusicherte, wie er leisten wollte. So verwundert es nicht, dass in Georg Heberleins Dienstbüchlein mehr als 2000 Diensttage eingetragen sind.

Er wie auch seine Vettern Rudolf und Eduard wurden von ihren Vätern auf die Führung der Firma vorbereitet. In der Folge bauten sie und ihre Mitarbeiter das Patent- und Markenlizenzwesen neu auf, führten den sogenannten Sanforisierungsprozess erstmalig in Europa ein und machten "Helanca" zur Weltmarke.

1933 wurde Dr. Georg Heberlein in den Verwaltungsrat der Firma Heberlein & Co AG gewählt, und in den darauffolgenden Jahren übernahm er verschiedene Verwaltungsratsmandate, so z. B. der Firma Gurit AG in Richterswil, der Schweizerischen Bankgesellschaft, der Maschinenfabrik Oerlikon bzw. Brown Boveri & Cie AG in Baden, der Versicherungsgesellschaften HELVETIA, St. Gallen und Zürich, der Chemischen Fabrik Uetikon und anderer mehr.

Darüber hinaus hatte er auch andere Mandate inne: Er war Mitglied der Schweizerischen Handelskammer (bis 1971), Vorstandsmitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Chemische Industrie (bis 1973), Vorstandsmitglied der Schweizerischen Handelskammer in Wien (1967-1972), Foreign Correspondent of the National Industrial Conference Board of the United States, Mitglied des Schweizerischen Wissenschaftsrates (bis 1968) und Swiss Advisory Council der American Swiss Association Inc. in New York.

Nachdem eine ernste Krise Ende der 50er Jahre überstanden und mit "Helanca" und dem Eigenbau der Falschzwirnmaschine neue Expansionsmöglichkeiten geschaffen waren, gelang der Firma Heberlein & Co AG als Heberlein Holding AG der Durchbruch auf dem Weltmarkt. Es wurden die Heberlein Patent Corporation, New York, die Heberlein of Canada Ltd., Montreal, die Heberlein Inc., High Point, und die Heberlein AG, Konstanz, gegründet. Um die weitverzweigten Niederlassungen zusammenhalten zu können, rief Dr. Georg Heberlein eine Konzernleitung ins Leben, deren Vorsitz er bis 1970 innehatte.

Den Jahren der Prosperität folgte dann aber mit der Dollarabwertung, der Ölkrise und vor allem dem Zusammenbruch im Chemiefasergeschäft anfangs der 70er Jahre eine Zeit grosser wirtschaftlicher Schwierigkeiten. Dr. Georg Heberlein trat 1974 nach einer Reihe ungewöhnlicher geschäftlicher Erfolge, aber auch starker Rückschläge vom Präsidium der Heberlein Holding AG zurück.

1984 wurde der Konzern als Gurit-Heberlein AG neu strukturiert, und seit 1988 gehören ihm rund 30 Firmen in sieben europäischen Ländern, den USA und in Brasilien an. Heute ist die Heberlein Textildruck AG Wattwil der führende Stoffveredlungsbetrieb der Schweiz.

In einem Punkt folgte er nicht den Traditionen seines Vaters: Dieser hatte sich wie die meisten Toggenburger Industriellen auch dem politischen Dienst gewidmet. Georg Heberlein wählte nicht diese Form der Mitwirkung an Gemeinde und Staat, sondern leistete seinen Dienst am Gemeinwesen im Militär. Er begann als Feldartillerist, wurde Offizier und absolvierte auch die Generalstabsschulen, war Artillerie-Regimentskommandant und wirkte zuletzt als Oberst im Generalstab im Armeestab. Als Milizoffizier förderte er den Wehrgedanken und die ausserdienstliche Ertüchtigung in der Offiziersgesellschaft Toggenburg, die er tatkräftig unterstützte. Er setzte sich mit befreundeten Berufsoffizieren nach dem Aktivdienst für zeitgemässe Konzepte der Armee ein. Als einflussreicher Industrieller kämpfte er publizistisch für die Panzer- und Flugwaffe.

Neben seinen vielfältigen Engagements fand er dennoch immer wieder die Zeit - in Ergänzung zu seiner militärhistorisch ausgerichteten, sehr umfangreichen Bibliothek -, nach Autographen berühmter Militärs und Staatsmänner Ausschau zu halten und sich manch wertvolles Stück zu erwerben. Das Verzeichnis, das er zur Inventarisierung seiner Sammlung anlegte, führte er so sorgfältig, dass es auch für die wissenschaftliche Bestandesaufnahme als Grundlage dient. Dr. Georg Heberleins Leidenschaft für sein Hobby und seinen weitreichenden internationalen Beziehungen ist es zu verdanken, dass seine Sammlung im Laufe der Zeit einen so bedeutenden Umfang erreichen konnte.

Zu Dr. Georg Heberleins familiärer Situation ist zu vermerken, dass er 1937 Frau Betly Leuenberger aus Schaffhausen heiratete. Aus ihrer Ehe gingen fünf Kinder hervor, von denen eine Tochter in einem tragischen Unfall und ein Sohn kurz nach der Geburt ihr Leben verloren. Frau Heberlein-Leuenberger starb 1975.

Trotz gelegentlichen gesundheitlichen Plagen konnte Dr. Georg Heberlein in geistiger Frische bis zu seinem Tod im Kreis seiner Angehörigen leben. Er verstarb am 2. Mai 1984 nach kurzer Krankheit in Wattwil.


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Letzte Änderung am 19. Februar 2016 durch Webmaster